Gemeindewald

Die Gesamtgemeinde Kusterdingen ist im Landesvergleich ein mittelgroßer Waldbesitzer. Die öffentliche Waldfläche der Gesamtgemeinde beträgt derzeit 425 ha; darin sind auch Wälder enthalten, die völlig unter Schutz gestellt wurden und forstlich nicht in Anspruch genommen werden. In erster Linie dienen sie dem Schutz und Erhalt seltener Arten oder früherer Bewirtschaftungsformen.

Neben der Gemeinde besitzen auch zahlreiche Privatpersonen kleinere Waldflächen, oft in Verbindung mit einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Wurzelstock Polter-Holz

Der jährliche nachhaltige Holzeinschlag im Gemeindewald liegt bei 2440 Festmetern, wovon ein erheblicher Teil zur energetischen Nutzung als Brennholz bereitgestellt wird. Die Nachfrage nach Polterholz als heimischem und nachhaltigem Energieträger ist seit Jahren hoch. (Hier finden Sie das Bestellformular.)

Auf den Ebenen haben sich Landwirtschaft, Wohnsiedlungen und Gewerbebetriebe ausgebreitet. Der Wald hingegen ist auf die Hanglagen der Flusstäler zurückgedrängt und tritt so auf den ersten Blick kaum in Erscheinung. Er erfüllt neben der Holzproduktion aber weitere wichtige Aufgaben, wie z.B. Bodenschutz - insbesondere in Hanglagen -, Filtern und Speichern des Oberflächenwassers, Luftfilter, Lärmschutz, Erholungsfläche für uns Menschen und bietet eine der wenigen Rückzugsflächen für Tiere und Pflanzen (Naturschutz). In unserem dicht besiedelten Raum kommt es immer wieder zu Waldinanspruchnahmen durch sich ausdehnende Siedlungsbereiche, Infrastrukturvorhaben oder Bedarf für Deponieflächen.

Der Gemeindewald dient auch unseren Kindergärten und Schulen als Bildungsstätte und der Bevölkerung als Erholungsort und Quelle der Entspannung; sei es bei einer Laufrunde, einem Spaziergang mit oder ohne Vierbeiner, einer Radtour oder auch einem Ritt mit dem Pferd.

Tipi Waldkindergarten

Unsere zwei örtlichen Waldkindergärten sind dem Wald in besonderer Weise verbunden und nutzen ihn täglich als Aufenthaltsort und Klassenzimmer. Bei der Vielfalt der Nutzung ist gegenseitige Rücksichtnahme Grundvoraussetzung für ein reibungsloses Miteinander im Wald.
 
Die letzte Forstinventur 2014 hat bestätigt, dass es im Gemeindewald viele ältere Bäume – insbesondere Eichen - gibt, die für seltene Arten als Lebensstätte wichtig sind. Im Rahmen der forstlichen Bewirtschaftung wird auf diesen Aspekt besondere Rücksicht genommen. Der Gemeindewald ist nach PEFC zertifiziert, eine über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehende freiwillige Maßnahme der Gemeinde, die in unserem Wald eine besonders umsichtige und vorbildliche Behandlung erfordert (http://www.pefc.de). So wird im Kusterdinger Wald schon länger auf Kahlhiebe verzichtet und der Wald über natürlichen Nachwuchs verjüngt.

Altholz mit NaturverjüngungFurniereichen aus dem Gemeindewald

Die Bewirtschaftung liegt derzeit in den Händen des Landratsamtes Tübingen, das forstliches Fachpersonal für den Gemeindewald zur Verfügung stellt. Die Förster beauftragen und beaufsichtigen zertifizierte Forstunternehmer, die alle Betriebsarbeiten durchführen.
Ein kleiner Teil des geernteten Holzes geht über eine Versteigerung und eine Submission an die überörtliche Möbel- und Furnierindustrie und erzielt dabei nachhaltig Spitzenpreise. Darüber hinaus haben sie hoheitliche Aufgaben im Wald, unter anderem die Einhaltung der Gesetze und Verordnungen zu überwachen.

Die Jagd ist in Kusterdingen auf ganzer Fläche verpachtet. Die jeweiligen Pächter verpflichten sich dabei in einem Pachtvertrag zu einer gesetzeskonformen Bejagung von Rehen, Wildschweinen und Füchsen und für einen ausgeglichenen und gesunden Wildstand zu sorgen, der Schäden in der Landwirtschaft und im Wald in Grenzen hält. Das ist nicht immer ganz einfach, weil das Wild durch unser Freizeitverhalten sehr in seinem natürlichen Verhalten eingeengt wird. Deshalb macht es Sinn, beim Aufenthalt im Wald auf den Wegen zu bleiben, Hunde an der Leine zu führen und so das Wild wenigstens in seinen Rückzugsräumen nicht über Gebühr zu stören.

Das Wegesystem im Gemeindewald dient neben der Erholung auch der forstlichen Bewirtschaftung und der Holzabfuhr; zum Schutz der Waldbesucher müssen manche Wege während der Holzeinschlagssaison zeitweise gesperrt werden. Bedingt durch die geografische Lage des Gemeindewaldes ist das Wegenetz hier relativ dicht und bietet häufig reizvolle Ausblicke in die Umgebung.

Waldinformationssystem

Das Waldinformationssystem „Lebendiger Wald“ informiert kompakt und anschaulich auf Schautafeln entlang der Hauptwege über verschiedene Aspekte im Gemeindewald, so dass Erholungssuchende nebenher noch interessante Informationen über ihren Wald mit nach Hause nehmen können.